Besprechung des Konzertes "De Profundis clamavi" in der Pauluskirche

Ein vokales Feuer entfachte der Ulmer Chor "daccord" in der Pauluskirche. Leiter Markus Romes entlockte den Sängern meditative und kraftvolle Klänge.

Gesang verbindet Menschen nicht nur auf einmalige Weise miteinander, sondern stellt auch eine Verbindung mit dem Göttlichen her, mit dem seelischen und emotionalen Empfinden des Menschen. Gesang ist ein Zeichen menschlicher Freiheit und innerer Lebendigkeit, und wenn sich Atem in Klang verwandelt, öffnet sich ein mystischer Raum. Diese Kraft war in dem Chorkonzert am Sonntag in der gut besuchten Pauluskirche mit dem Kammerchor "daccord" aus Ulm zu erleben. Unter dem Titel "De Profundis clamavi" war der Abend liturgisch der Passionszeit nachempfunden, auf musikalische Weise sollten Himmel und Erde verbunden, Tiefe und Höhe spürbar gemacht werden.

Mit der "Trauergondel" Nr. 1 und 2 für Klavier von Franz Liszt wurde das Publikum schon beim Hineingehen empfangen. Mit einem Gesang aus "Taizé" von Jacques Berthier entzündete der Chor ein vokales Feuer, das unter der energischen Leitung von Markus Romes sowohl meditative als auch stimmlich kraftvolle Klänge zauberte. Mit der "Missa Brevis" von Giovanni Pierluigi da Palestrina erklang geistliche Renaissancemusik und Pfarrer Adelbert Schloz-Dürr, der durch das Programm führte, wies darauf hin, dass ohne Palestrina, den er als "Retter der Kirchenmusik" bezeichnete, die Musikgeschichte womöglich einen anderen Verlauf genommen hätte.

Klavier und Orgel spielte Conrad Schütze, er interpretierte Werke von Johann Sebastian Bach und Olivier Messiaen und die Orgel erklang macht- und kraftvoll von der Empore herunter. Ein musikalisches Paternoster von Giuseppe Verdi nach Dante Alighieri erklang versöhnlich und in Johann Sebastian Bachs "Ich harre des Herrn" ging das Violinenspiel von Liane Einwiller leider fast unter, so sehr war der Chor mit sich beschäftigt.

Für reinen Männerchor und von der Empore herab, mit Perkussion und Glocken erklang das mystische Stück "De Profundis", aus der Tiefe, von Arvo Pärt, wie aus einer anderen Dimension. In einer Bearbeitung von Carl Orff verbreitete der Chor eine hoffnungsvolle Stimmung in dem Lied "Froher Tag, lichter Tag" von Claudio Monteverdi und in einer Zugabe von Felix Mendelssohn wurden dem Publikum musikalische Engel mit auf den Nachhauseweg gegeben.

Autor: VERENA WESTPHAL 12.04.2011 - Copyright by SÜDWEST PRESSE Online-Dienste GmbH - Frauenstrasse 77 - 89073 Ulm

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