Gebete der Welt
Autorin: Christa Kanand


Einen Abstecher lohnt das idyllische Lautertal immer, ein wahres Kleinod die romanische Chorturmkirche. Dort trat beim nunmehr 7. Kultursommer vor vollen Reihen der Ulmer Chor D’Accord unter Markus Romes auf. Dessen sinnfällig konzipiertes Programm „Ora! Bete!“ aus Musik und Wort bekam gerade hier vor dem gotischen Flügelaltar und umgeben von Wandfresken aus dem 13. Jahrhundert eine berührende Aura.
Feierlich eröffneten Chorsätze in A-cappella-Polyphonie des Renaissance-Meisters Palestrina die gute Stunde der meditativen Einkehr. Weltumspannend kamen Gebete verschiedener Epochen, Sprachen, Völkern und Religionen zu Gehör. Die Abfolge aus A-cappella-Sätzen (Spiritual „Deep River“) und innigen Sakral-Klassikern (Mozarts „Ave verum“), die Hannes Kalbrecht einfühlsam am Flügel begleitete, wurde immer wieder durch das gesprochene Wort bereichert. Chormitglieder rezitierten Hymnen und Gebete der Sioux-Indianer, aus dem ägyptischen Isis-Kult, aus Indien, von Homer und Laotse. Ein Kontrast zu den Chormotetten abendländisch-christlicher Prägung, dargeboten in stilgewandter vitaler Sangeskunst.
Besonders beeindruckte, wie stimmprächtig der 20-köpfige Chor (abgesehen von einigen zaudernden Piano-Einsätzen) die opernhaften Vorzüge in Verdis heiklem, bis zu siebenstimmigen „Pater Noster“ bewältigte. Mit Gespür für den Sprachrhythmus der Orffschen Tonsprache ließ Romes das ekstatische Sonnengebet des Franz von Assisi aussingen.
Starker Applaus.

Südwest Presse, 30.06.2008

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