Sommerbühne / „D‘Accord“ und „Mehr als 4“ begeistern
Sternstunde des Chorgesangs
Autorin: Margot Autenrieth-Kronenthaler


Am Sonntagabend hatten Chöre auf der Sommerbühne am Blautopf ihren großen Auftritt. Vor allem der Ulmer Chor „D’Accord“ glänzte mit einer tollen Leistung und begeisterte mit seinem bunten Programm das eher kleine Publikum.
Blaubeuren. Peter Imhof vom Arbeitskreis Kultur und Geschichte meinte angesichts des mäßigen Besuchs am Sonntagabend etwas enttäuscht, dass Chorauftritte von verschiedener Seite immer wieder gefordert, aber dann nur von wenigen geschätzt würden. Dabei hatten die beiden Chöre aus der Ulmer Region „D’Accord“ und „Mehr als 4“ einiges zu bieten.
Die zwölf Sängerinnen und Sänger von „Mehr als 4“ unter der Leitung von Dagmar Wagner sorgten schon optisch für einen tollen Eindruck. Aber auch akustisch hatten sie viel zu bieten. Ein englisches Abendlied wurde piano mit schöner Dynamik dargeboten.
Melancholisch wurde der eingängige Klassiker „Moon River“ aus „Frühstück bei Tiffany“ gesungen. Mit „Rock me Amadeus“ von Falco gab es noch eine kleine Bühnenshow inklusive. Interessant, wie der Text gerappt wurde und der Chor im Hintergrund rhythmisch gekonnt die Akzente setzte.
Die Liebeslieder wie „O du schöner Rosengarten“ oder „Lavendels Blue“ wurden einfühlsam und mit Leichtigkeit gesungen. Jedoch fehlte den Sängerinnen und Sängern manchmal die letzte Sicherheit. An einigen Stellen wurde zu zaghaft agiert, wodurch es dem Gesang an Volumen fehlte. Engagiert und akzentuiert sang der Chor das gesellschaftskritische und rhythmisch nicht einfache Lied „Blumen gießen“ von Georg Kreisler und artikulierte dabei gut. Schwungvoll mit Witz und Charme wurde „Der Mörder ist immer der Gärtner“ von Reinhard Mey vorgetragen.
„D’Accord“ unter der Leitung von Markus Romes setzte gleich mit dem ersten Lied auf der Bühne ein Ausrufezeichen. Ein auf Suaheli gesungenes afrikanisches Kriegslied wurde kraftvoll und martialisch mit ungeheurer Ausdruckskraft dargeboten. Tolle Soli und ein beeindruckendes Klangvolumen begeisterten bei dem Lied und den Besuchern wurde gleich klar, dass da ein sehr ambitionierter und leistungsstarker Chor auf der Bühne stand.
Die zwanzig Sängerinnen und Sänger überzeugten mit einem überwältigend breiten Spektrum. Afrikanische Lieder, Lieder aus dem Mittelalter, Alpenländisches, Bosanowa, klassische Volkslieder, Gospels oder ein Beatles-Hit – fast nichts wurde ausgelassen und alles kam mit höchster Präzision und großem Können zur Aufführung. Interessant zu beobachten war, wie sensibel der Chor die Hilfen des Dirigenten aufnahm und sie umsetzte.
Kultivierten und homogenen Chorgesang gab es bei dem mittelalterlichen Lied „Jungfrau, dein schön Gestalt“ zu hören. Die Einsätze präzise, die Artikulation sehr fein. Der Beatles-Hit „Scarborough Fair“ wurde beeindruckend interpretiert, jede Note auskostend. In „Erstes Grün“, eine Gedichtvertonung vom Dirigenten, gelang es dem Chor bestens, die Sehnsucht und das Verlangen nach dem Frühling auszudrücken.
Alpenländisches Flair war bei „Zwei Sterndel am Himmel“ angesagt, das sehr gefühlvoll, mich Jauchzern und eigenem Charme zum Vortrag kam. Der Chor scheute sich auch nicht das Volkslied „Im schönsten Wiesengrunde“ aufzuführen, ohne Pathos, jedoch mit großer Innigkeit und schönen dynamischen Schattierungen. Das schwierige Werk „Preist diesen Tag der Freude“ aus einer Monteverdi-Oper wurde mit seinen Tempowechseln und Koloraturen im Sopran ebenfalls bestens gemeistert.
Eine Sternstunde des Chorgesanges, die leider nicht das Publikumsinteresse erfahren hat, das sie verdient gehabt hätte.

Zurück zu Pressestimmen